Genderneutrale Kinderkleider

Wenn ihr die Bilder gerne in gross anschauen wollt einfach draufklicken…

Die vorgeschichte

Ja, ich sagte immer, dass ich keine Kinderkleider nähen würde. Und ich belächelte die Teilnehmerinnen des Nähkurses, den ich mal geleitet habe, welche das taten. Die Gründe waren, dass ich fand es lohne sich nicht. Kaum ist das Stück fertig ist es auch schon zu klein, Babys und Kleinkinder wachsen nun mal unglaublich schnell. Und sie sind noch zu klein um die Arbeit wertschätzen zu können. Auch finanziell lohnt es sich nicht. Wenn man nicht Markenverliebt ist, kosten Kinderkleider nicht viel und es gibt genügend Tauschbörsen. Sowieso sind Eltern froh, wenn sie die zu kleinen Kleider jemand anderem weitergeben können. Ist ja auch legitim und verantwortungsvoll gegenüber unseren Ressoursen.

Und dann begannen Freunde von mir Kinder zu bekommen. Und ich sah mich in verschiedenen Geschäften auf der Suche nach genderneutralen Kinderkleidern zum Verschenken. Die Suche war weitestgehend unbefriedigend. Entweder ist die Nachfrage zu klein oder einfach noch nicht bei den Herstellern angekommen. Da ich aber der Meinung bin, dass man Kinder nicht schon in so jungem Alter zu Geschlechterstereotypen konditionieren soll, war ich nicht dazu bereit, rosa oder blaue Kleider zu kaufen und verschenken.

der weg

So machte ich bei meinem nächsten Ausflug an den Stoffmarkt Halt bei meinem Albtraum, dem Stand mit Jerseystoffen. Immer versteckt hinter einer Horde Mütter, die Hobbymässig nähen -was ja nicht verwerflich ist, einfach mühsam, wenn fünf der Gattung 10 Minuten darüber diskutieren ob jetzt Stoff A oder B passender ist und damit den halben Stand unzugänglich machen. An dieser Stelle meine Hochachtung an die Verkäufer.
Ich habe mich also so schnell wie möglich durch die Mütter gekämpft und einige Stoffe gekauft, welche ich als Genderneutral und nicht allzu kitschig empfinde.

Da man weder in der Lehre zur Damenschneiderin noch in der Weiterbildung als Theaterschneiderin lernt Schnittmuster für Kinderkleider zu konstruieren habe ich mich auf die Suche im Internet gemacht. Und bin sehr schnell fündig geworden, es gibt wirklich viele gute Seiten, die ihre Muster gratis zur Verfügung stellen.
Das nähen war dann Routine, alles mit der Overlock zusammennähen und die Kanten entweder mit einem Bündchen versehen oder mit der Covermaschiene versäubern. Es ist erstaunlich, wie viele Babykleider man aus 80cm Stoff machen kann.

das ergebnis

Schlussendlich musste ich zugeben, dass es zeitlich gar nicht so aufwändig ist die Kleider zu machen, zumindest wenn man sich mit einfachen Schnitten zufriedengibt. (In diesem Punkt verstehe ich die Teilnehmerinnen meines damaligen Nähkurses immer noch nicht, die haben teilweise Kleidungsstücke für ihre Kinder genäht, an denen sie mehrere Stunden Arbeit hatten.) Jedoch bin ich nach wie vor der Meinung, dass es sich finanziell nicht lohnt, zumindest wenn man die Arbeitszeit* mitrechnet. Was ich aber bei Geschenken natürlich nicht mache :-)

Und ich habe festgestellt, dass es Mitwachskleider gibt, also Kleider, die über 2 Grössen getragen werden können, indem man die Bündchen so lange macht, dass sie für die kleinere Grösse einmal umgeschlagen werden können. In der Breite wachsen die Kinder im Normalfall dann ja doch nicht so schnell.
Um auch noch meinen letzten Kritikpunkt anzusprechen, Die Kinder mögen die Arbeit zwar noch nicht wertschätzen können, die Eltern hatten aber bisher immer grosse Freude an den Geschenken und das ist sicher gleich viel wert.

*Für alle dies interessiert, bei meinem Stundenansatz von 60.- müsste ich exkl. Material für einen Body ca. 70.- verlangen, für ein Shirt ca. 55.- und für eine Hose ca. 40.-