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Die Ausgangstäschchen

Wie vielleicht der eine oder andere Mensch schon gemerkt hat, habe ich jeweils gerne ein passendes Täschchen zu meinen Ausgangskleidern. Inzwischen gibt es schon genug davon, dass sie einen eigenen Blogeintrag verdient haben.

Das Prinzip ist immer dasselbe, die Grösse variiert je nachdem wie viel Stoff ich noch habe etwas. Als Grundmuster schneide ich mir jeweils ein Rechteck zu. Dies berechne ich folgendermassen:
Breite: so wie das Täschchen werden soll plus ca. 2cm Tiefe
Höhe: 2 mal die Täschchenhöhe, ca. 2cm Boden plus die Klappe, bei der Klappe kann auch die Form variieren
Rundum kommt natürlich noch 1cm Nahtzugabe dazu.
Dies schneide ich dann einmal aus dem Obermaterial und einmal aus Futter zu. Das Obermaterial beklebe ich je nachdem noch etwas, um es stabiler zu machen.
Als Träger benutze ich entweder eine Kordel oder ich verstürze ein Band des Obermaterials.

Als erstes nähe ich nun die seitlichen Kanten des Obermaterials zusammen und bügle sie auseinander. Dann steppe ich beim Boden die Ecken queer ab, um ein bisschen Volumen zu bekommen. Damit der Boden stabil ist, fixiere ich zwischen den abgenähten Ecken ein Plastikstäbchen. Nun befestige ich den Träger.
Das Futter nähe ich genau gleich, nur lasse ich dabei auf einer Seite einen Schlitz offen. Jetzt kann ich das Täschchen verstürzen. Dafür lege ich Futter und Oberstoff zusammen, so dass die rechten Stoffseiten innen liegen. Jetzt kann ich den Kanten entlang nähen, um die Klappe und die Öffnung schön zu bekommen. Durch den Schlitz im Futter lässt sich das ganze jetzt drehen. Den Schlitz nähe ich nun zu. Meist steppe ich auch noch die Kanten ab damit sie schöner Liegen.

Nun muss ich nur noch einen Verschluss anbringen. Da ich meist mit Druckknöpfen arbeite geht dies sehr gut am Schluss. Wenn man lieber Magnetverschlüsse möchte, muss man diese schon vor dem Verstürzen anbringen.

Eigentlich ist das Täschchen nun fertig, je nach Stück, zu dem es gehört kann man natürlich noch Verzierungen anbringen.

Ein Korsett aus Futterstoff

Für ein anderes Korsett habe ich ein wunderschönes, rot-grün changierendes Futter mit einem Blättermuster gekauft. Als ich das Futter zusammengenäht und in das Korsett gearbeitet habe, war ich komplett verliebt in den Stoff. Also entschied ich mich, daraus ein eigenes Korsett zu herzustellen.

Nachdem ich den Schnitt mit Moulure getestet habe gings auf den Originalstoff. Zuerst musste ich mich nun entscheiden, ob das Rot oder das Grün überwiegen sollen. Ich habe mich für das Rot entschieden.
Futterstoffe sind ja erfahrungsgemäss eher dünn und sehr beweglich, ein Korsett sollte aber doch eine gewisse Stabilität besitzen. Deshalb musste ich es ziemlich fest kleben. Als erstes klebte ich den gesamten Stoff mit Batist, einem eher steifen Baumwollgewebe. Dann schnitt ich die Teile aus einem stabilen Flies und klebte diese auf den Stoff. Um das Flies zu fixieren klebte ich darüber noch eine andere Einlage.

Das Zusammennähen und Absteppen der Nähte war dann relativ schnell erledigt. Ich habe mich dazu entschieden, die Nahtzugaben auseinander zu Steppen und jeweils beidseitig der Nähte Stäbe einzuführen. Natürlich habe ich beim Absteppen der Nähte in der Taille ein schmales Repsband mitgefasst, um sie zu stabilisieren.

Das Futter habe ich aus demselben Stoff genäht wie das Korsett, nur habe ich bei diesem die andere Stoffseite oben genommen. Nachdem ich beide Teile in den Kanten zusammengenäht habe, stürzte ich an der unteren Kante ein Band ein und fasste die Kante damit ein. Danach führte ich die Stäbe ein und wiederholte das Einfassen an der oberen Kante.
Zuletzt musste ich nur noch die Ösen reinstanzen.

Um das Outfit zu vervollständigen habe ich mir noch ein einfaches Kleid aus elastischer Spitze mit Stehkragen und einer kleinen Schleppe genäht.

Nachdem ich in letzter Zeit vor allem mit Leder gearbeitet habe, war es ganz schön wiedermal etwas aus Stoff zu machen und ich habe grosse Freude am Ergebnis, es ist bequem und sieht einfach wunderbar aus.

WGT 2019

Dieses Jahr habe ich für das WGT 2019 nicht sehr viel genäht, genau genommen nur zwei Kleider und eine Handtasche. Ein sehr simples Kleid aus Jersey und ein etwas aufwändigeres aus einem elastischen und bedruckten Jeans. Dafür habe ich ein grösseres Augenmerk auf mein Make-up gelegt und dabei auch viel Strass verwendet.

Das Jerseykleid

Das Jerseykleid ist sehr simpel, es besteht aus einem Vorder- und einem Rückenteil sowie einem grossen Kragen, welcher auch als Kapuze benutzt werden kann. Beim Stoff habe ich mich für einen fast schwarzen, schlammfarbenen Jersey entschieden. Am Oberkörper ist es eng, ab der Taille seitlich stark ausgestellt, so dass sich zwei Spitzen bilden. Der Kragen ist oben im Bruch geschnitten, um ihm mehr Stabilität zu geben. Er ist sehr weit und fällt, wenn er nicht als Kapuze gebrauch wird, ähnlich wie ein Wasserfallkragen. Ich mag das Kleid sehr und habe es auch oft im Alltag an. Am WGT hatte ich darüber auch teilweise das zum Kragen passende Strasskorsett an um es etwas spezieller zu machen.

Das Jeanskleid

Dieses war etwas aufwändiger. Ich wollte einen Stehkragen aber trotzdem einen Ausschnitt. Zudem sollte es etwas werden, das leichte Ähnlichkeiten mit einer Uniform hat.
Nachdem ich mit einer Freundin Ideen ausgetauscht habe machte ich beim Kochen eine kleine Skizze, oben war zu diesem Zeitpunkt klar wie es werden sollte, nur der Saum war noch unsicher. Wir haben dann noch ein bisschen darüber gesprochen und mir ist ein Bild in den Sinn gekommen, das mir ein Freund mal geschickt hat, an diesem habe ich mich dann Inspiriert.
Nachdem ich also das Schnittmuster gezeichnet und unsere Katze dazu bewegt habe mir den Stoff freizugeben, machte ich mich ans Zuschneiden. Wie immer hatte ich etwas knapp Stoff, vor allem auch weil ich das Muster vorne und hinten natürlich eingemittet haben wollte.

Schlussendlich hats aber gereicht und ich machte mich ans nähen. Die Nähte habe ich wie meistens gekappt und abgesteppt. Der Kragen und die Schulterteile sind mit einem schwarzen Baumwollstoff verstürzt.
Beim Verschluss musste ich mich noch zwischen den schwarzen und den altsilbernen Druckknöpfen entscheiden, und mir überlegen, wie ich sie anordne. Ich habe mich dann für altsilberne Zweierpaare entschieden.

Die Tasche

Weil mein geliebtes kleines Allzweck-Täschchen das Zeitliche gesegnet hat, musste ich mit für das WGT etwas Neues nähen. Hierfür wollte ich keines der üblichen Täschchen, die ich mir jeweils für die Ausgangsoutfits mache, sondern etwas mit verschiedenen Fächern das auch Tagestauglich ist, also etwas mehr aufnehmen kann als nur Handy und Portemonnaie.
Ich entschied mich für ein schwarzes Lammleder und ein Futter, dass ich schon öfters benutzt habe, weil ich es so schön finde. Das Täschchen hat eine Klappe mit Magnetverschlüssen. Ein flaches Fach vorne und ein grösseres Innenfach mit zwei kleinen Fächern. Vorne auf die Klappe habe ich noch eine Triskele mit einer 13 darin aus Strass angebracht. Diese hat sich aber während dem WGT abgelöst, zu viel Bewegung als dass der Strass auf dem Leder kleben geblieben wäre.

Was man mit Strass sonst noch so machen kann

Da ich nicht sehr aufwändige Kleider hatte, dachte ich mir, dass ich mir stattdessen ja einfach Strass ins Gesicht kleben könnte. Ich habe dann vor dem WGT ein bisschen experimentiert was für ein Kleber am besten hält und mich für Wimpernkleber entschieden, weil dieser noch eine gewisse Flexibilität behält.
Die Ergebnisse könnt ihr in den Bildern betrachten, ich hoffe sie gefallen euch!

Ein rotes Halsband

Nach einer Party, an welcher ich das Korsett und Halsband aus brüchigem Leder und Strass angezogen habe, hat mich eine Kundin kontaktiert, welcher das Halsband sehr gefallen hat. Sie wollte gern ein ähnliches Halsband in Rot. Es sollte farblich zu einem Korsett passen welches Sie schon hat. Natürlich habe ich ihr zugesagt und so haben wir uns getroffen, um die Form zu besprechen und das Material auszuwählen. Zu dem Termin hat Sie ihr Korsett mitgenommen und wir haben in meinem Vorrat schnell ein passendes Leder gefunden. Ich hatte vorgängig ein Halsband aus Moulure angefertigt, um die Weite gut messen zu können und die Form mit und an Ihr zu besprechen. Für den Verschluss haben wir uns auf eine Gurtschnalle geeinigt, damit das Halsband noch verstellbar bleibt.Das gewählte Rindsleder hat schon eine gewisse Stabilität, dennoch habe ich es mit einer Rosshaareinlage noch ein bisschen verstärkt. Als nächsten Schritt habe ich die Gurtschnalle angebracht und direkt dahinter eine Gurtschlaufe. Danach habe ich Vorne in der Mitte den O-Ring befestigt. Innwendig ist das Halsband mit einem schwarzen Satinfutter gefüttert. Dieses habe ich mit einem speziellen Klebeband an den Kanten auf das Leder geklebt. An den beiden Enden hat es innwendig jeweils einen Lederbesatz, welcher an das Futter angenäht ist. Die Kanten habe ich mit einem Lederstreifen eingefasst, den Einfass jedoch da auslaufen lassen, wo sich das Halsband zum Verschluss hin verengt. Nun musste ich nur noch 3 Löcher stanzen damit man es auch schliessen kann.Die Arbeit am Halsband hat mir grossen Spass gemacht. Geliefert habe ich der Kundin das rote Halsband per Post, so musste Sie nicht nochmals extra zu mir fahren. Sie war sehr glücklich darüber und hat mir rückgemeldet, dass es perfekt passt.

Die kleine Peitsche

Neben den Kleidern und Halsbändern fertige ich ja auch noch kleine Peitschen. In diesem Beitrag möchte ich darauf eingehen, wie ich die Peitschen herstelle.

Das Innenleben

Als Basis benütze ich ein 7mm Drahtseil, bei welchem ich auf einer Seite die einzelnen Drähte gestuft zurückschneide.


Dies wird dann mit Velolenkerband umwickelt wobei ich am Ende noch einen Lederstreifen für den Aufhänger mitbefestige.
Am Anfang habe ich immer ein normales Sergeband benützt und dieses mit Doppelseitigem Klebeband präpariert damit ich es um das Drahtseil kleben konnte. Dies war jedoch sehr aufwändig. Das Lenkerband klebt schon und ist in schwarz und weiss erhältlich.

Die Vorbereitung des Leders

Meist benutze ich für die Peitschen Rindsleder. Das Leder wird von mir mit dem Rollmesser zu Streifen in der benötigten Länge und Breite zugeschnitten. Pro Peitsche schneide ich einen 4-er Keil (einen Keil, welcher vorne zusammen ist und sich dann in 4 Streifen trennt) für die erste Umflechtung sowie entweder zwei 2-er Keile oder einen Spiegelkeil plus eventuell zwei einzelner Streifen für die zweite Umflechtung und einen langen Streifen für den Knopf.
Diese Streifen und Keile werden nun gut eingefettet. Dazu benutze ich den B&E Bienenwachs-Lederbalsam. Die gefetteten Streifen knete ich in einem Beutel gut durch, um das Fett einzuarbeiten.

Das Flechten

Für die erste Umflechtung befestige ich die Spitze des 4-er Keils am Tisch und beginne zu flechten. Dabei lege ich von Anfang an das Drahtseil in die Flechtung. Beim Flechten ist es wichtig, dass immer gut angezogen wird, so bekommt die kleine Peitsche genügend Stabilität. Wenn ich am Ende angekommen bin umwickle ich die Flechtung mit einem Faden um sie zu Fixieren und flechte die Streifen ein bisschen retour, wobei ich sie unter die bestehende Flechtung ziehe. Jetzt rolle ich die Peitsche zwischen zwei Holzbrettern, um das Leder flach zu drücken.

Nachdem die erste Flechtung beendet ist beginne ich mit der Zweiten. Dabei nehme flechte ich auch ziemlich von Anfang an um die schon bestehende Peitsche. Je nach Flechtart muss ich nach einem gewissen Stück noch zwei weitere Streifen dazu nehmen, um eine regelmässige Deckung zu erreichen. Die zweite Flechtung beende ich wie die Erste und rolle sie wieder fest.
Nun kommt der Knopf, dafür befestige ich den letzten Lederstreifen an der Peitsche und flechte darum bis ein dichter und fester Knopf entstanden ist. Auch diesen rolle ich in Form.

Die Details

Die Peitschen sind jeweils zwischen 45cm und 55cm lang. Die Länge kann etwas variieren, je nachdem wie sich das Leder verhält.
Bei der Bestellung können die Farben frei gewählt werden, ebenfalls kann man sich zwischen zwei verschiedenen Flechtungen entscheiden. Für die Herstellung benötige ich etwa 2 Stunden, dazu kommen die Materialkosten von etwa 30.- somit kostet eine Peitsche 150.-.

Brüchiges Leder & Strass

Nähen als Beruf, nähen als Berufung. Aber auch nähen als Therapie oder nähen um etwas zu verarbeiten.
Dies habe ich erst vor kurzem gemacht, als meiner Nonna Krebs im Endstadium diagnostiziert wurde und sie kurz darauf starb. In dieser Zeit ist ein Stück entstanden, welches mir sehr gut gefällt und dass ich euch nicht vorenthalten will. Aber es fühlt sich falsch an, dieses wie üblich aus dem fachlichen Blickwinkel zu beschreiben. Also habe ich mich nach reiflichem Überlegen dafür entschieden, diesmal auf die emotionale Seite der Herstellung eines Stückes einzugehen.

Nachdem ich also die Nachricht über den Krebs und wohl baldigen Tod von Nonna bekam hatte ich das Bedürfnis, etwas zu nähen. Etwas stabiles und doch auch fragiles, zerbrechliches. Etwas bodenständiges das trotzdem irgendwie leicht ist und ein bisschen verzaubert…

Wenn ich solche Nähprojekte angehe gibt es immer zwei mögliche Ansätze, entweder ich beginne mit dem Schnitt oder mit dem Stoff. Diesmal war es klar, dass ich zuerst den Stoff brauche. In meinem Fundus bin ich auf ein Leder gestossen, dass meine Vorstellungen ziemlich gut erfüllt hat. Leder an sich ist etwas sehr stabiles, unkaputtbares. Dieses spezielle hat eine Schicht weissen Lack drauf, der brüchig ist. Durch die schwarze Farbe des Leders unter dem Lack entsteht ein sehr schönes und lebendiges Muster.

Nun musste ich nur noch das Verzauberte reinbringen. Dabei dachte ich sofort an das Glitzern von Strass welches irgendwie Ähnlichkeiten mit einem Sternenhimmel bei Nacht haben kann. Beim Durchschauen der Strasssteine war für mich sehr schnell klar, dass ich mich auf farblose Steine beschränke, schwarz, anthrazit und rauchig-transparent. Diese aber jeweils in verschiedenen Grössen

Mit Leder und Strass war dann auch klar, dass es ein Korsett geben wird. Da ich in letzter Zeit schon zwei für mich gemacht habe war nur eine Moulure nötig um den Schnitt zu Kontrollieren und schon konnte ich aufs Leder gehen. Wie ich dies genau verarbeitet habe könnt ihr hier nachlesen.

Ich finde es immer schön, zu sehen wie ein Stück entsteht. Zuerst nur die einzelnen Schnitteile welche erkennen lassen, was es werden könnte. Dann bekommt es immer mehr Form und Struktur, zuerst durch das Zusammennähen, danach durch Details wie Steppungen, Kantenverarbeitung und ähnlichem.

Während ich das Korsett genäht habe ist mir schon klar geworden, dass es damit nicht getan ist und ich entschied, dass noch ein Halsband dazu kommen sollte. Dieses sollte etwas breiter sein als sonst für mich üblich und in einem Spitz nach unten auslaufen.

Der Vollständigkeit halber habe ich dann auch noch eine kleine Tasche genäht.

Nachdem alles fertig genäht war musste ich mich entscheiden, wie ich den Strass darauf machen wollte. Dies war wirklich nicht einfach, ich habe verschiedenes probiert, den Strass drauf getan, schön platziert und die Idee wieder verworfen. Am Schluss entschied ich mich dazu, ihn nur Vorne aufzukleben, so dass er von unten nach oben etwas breiter wird und sich auf die Seite leicht streut. Diese sehr meditative und auch lange Arbeit hat mir sehr gutgetan und mir Zeit gelassen über viele schöne Erlebnisse mit Nonna nachzudenken.

Nun waren also diese Teile fertig und wiederspiegelten sehr gut was ich wollte. Die Festigkeit von Leder mit den Metallstäben im Korsett und die Leichtigkeit des Strass geben eine sehr schöne Mischung. Um es aber tragen zu können musste noch ein Kleid her. Am liebsten hätte ich etwas Anthrazitfarbenes gehabt, da fand ich aber leider keinen passenden Stoff. Also habe ich mich für einen schwarzen, leicht elastischen Seidensatin entschieden. Der Schnitt sollte ganz einfach sein, ich entschied mich für einen hohen V-Ausschnitt und Schlitze an beiden Seiten. Also von vorne sehr klassisch, von der Seite aber auch sexy.

Ich bin mit dem Ergebnis sehr glücklich. Während der Anfertigung hatte ich viel Zeit, um mich mit meinen Gedanken zu beschäftigen, es war der perfekte Mix zwischen Ablenkung und Fokussierung. Zu Beginn war ein Grossteil meiner Konzentration auf die Arbeit gerichtet und mit dem Fortschreiten derselben hat sich die Aufmerksamkeit langsam vom Stück zu meinen Gedanken und meiner Nonna verschoben. Für mich ist dies eine sehr gute Art, mich mit einem schwierigen Thema auseinander zu setzen. Und nun hoffe ich, euch gefällt sowohl mein schriftlicher als auch mein näherischer Erguss…

Ledergürtel

Für einen Kunden durfte ich Kleider für BDSM-Partys nähen. Das Stück, welches dabei am meisten ins Auge fällt, möchte ich euch gerne hier vorstellen.
Es handelt sich dabei um einen Ledergürtel, bei welchem vorne und hinten jeweils drei Stücke runterhängen um die Genitalien und den Poschlitz zu verdecken.

Der Kunde hat sich für ein sehr spezielles, rosegoldenes Lammnappa-Leder entschieden, welches auch Metallisch glänzt. Dieses kommt von Leder Höltschi, einer sehr guten Firma.
Um dem Ganzen noch etwas mehr Struktur und Festigkeit zu verleihen, habe ich mich dazu entschieden, alle Einzelteile mit schwarzen Rindsnappa zu unterlegen und dieses an den Kanten etwas Vorschauen zu lassen. Auch habe ich alle Teile mit dickem, schwarzem Faden abgesteppt.

Der Lederürtel besteht aus zwei Teilen, einem Vorder- und einem Hinterteil. Diese sind mit Gurtschnallen verbunden. So kann er symmetrisch etwas weiter oder enger gemacht werden.

Und noch für alle Neugierigen, für unter den Gürtel hat es einen kurzen Rock sowie eine kurze Hose aus einem feinen Baumwoll-Netzstoff gegeben. Das Oberteil besteht vorne aus einem dünnen, schwarzen Jeans-Stoff und hinten aus demselben Bauwollnetz.
Da der Kunde viele Tattoos hat war es ihm wichtig, dass man diese auch sehen kann. Aus diesem Grund haben wir uns für den Netzstoff entschieden.


Ein Hoch auf den Gummizug

Ich finde ihn genial, den Gummi. Oder besser gesagt, den Gummizug. Also ein Tunnel mit einem Gummi darin in einem Kleidungsstück. Oder laut Duden: “in ein Kleidungsstück eingezogenes Gummiband”. Zum Beispiel oben an einer Hose. Oder in einem Hosenrock. Oder einem Rock. Oder in der Taille eines Mantels.

Weg mit dem vorurteil

Sind wir mal ehrlich, die meisten denken bei einem Gummizug an Trainerhosen. Ist ja auch die am meisten verbreitete Variante. Aber längst nicht die einzige.
Wir können gern bei den Hosen bleiben. Da gäbe es noch die Badehosen. Oder die Shorts. Oder, mein persönlicher Favorit, die Leinenhose für den Sommer. Kann natürlich auch Baumwolle sein. Oben ein Gummi rein und sie passt immer, egal ob man jetzt ein paar Kilo zu- oder abgenommen hat. So eine Hose ist auch sehr schnell gemacht, etwa 2 Stunden brauche ich dafür, wenn es keine sehr speziellen Taschen sein sollen. In dieselbe Sparte fällt der Hosenrock. Optisch etwas anders aber genau so bequem und noch luftiger als die Hose.
Auch bei einem Rock ist es sehr praktisch, wenngleich ich zugeben muss, dass dieser einen leichten Gewichtsunterschied auch ohne Gummi mitmacht, sitzt dann hald etwas höher oder tiefer.

Soviel zu den Beinkleidern. Kommen wir zum Mantel. Und damit auch zum Winter. Wer kennt es nicht, der Mantel soll tailliert sein um die Figur etwas zu betonen, aber dennoch weit genug, dass man auch mal einen dickeren Pulli darunterziehen kann, wenn es ganz kalt ist. Nun, ein Stück Gummi in der Taille hilft.

Das Mass der Dinge

Klar, es ist immer eine Frage des Masses. Zu viel Stoff um den Gummi sieht nicht gut aus. Das gibt Wülste und die will man genau an den betreffenden Stellen eher vermeiden. Also nicht zu viel Stoff mit dem Gummi kräuseln. Nur hald so viel es gerade braucht. Bei mir sind das bei einer Hose etwa 15cm verteilt auf den ganzen Bund. Unter dem T-Shirt fast nicht mehr sichtbar. Man muss schon sehr genau schauen um es zu sehen.
Auch bei zu dickem Stoff sollte man sich gut überlegen wie man ihn einsetzt. Darum auch keinen Gummizug in der Winterhose. Höchstens einen teilweisen, nur in der Hinterhose zum Beispiel. Selbiges gilt natürlich beim Mantel, da dann meiner Meinung nach eher in der Seite.

Wichtig ist natürlich auch, dass man den Gummi fixiert. Insbesondere wenn es ein langes Stück ist. Einerseits sollte man ihn gegen verdrehen Fixieren, andererseits kann man damit kontrollieren, dass nicht alles Eingekrauste an derselben Stelle landet.
Und der Gummi sollte nicht zu schmal sein. Sonst besteht die Gefahr, dass er einschneidet. Ebenfalls sollte man auf die Tunnelbreite achten, etwas breiter als der Gummi aber nicht zu breit. “Etwas” variiert von Stoff zu Stoff und von Gummi zu Gummi. Auch die Qualität des Gummis ist wichtig. Er soll ja nicht nach zweimaligem Tragen und Waschen ausgeleiert sein. Und nicht zu elastisch, sonst hat er keinen Halt.

Es gibt also schon ein paar Dinge zu beachten und er ist nicht immer geeignet. Dennoch musste es mal gesagt sein, Gummizüge sind einfach super!

Menstruationsslip

Ja ich weiss, dieses Thema hat nicht viel mit meinen üblichen Blogeinträgen zu tun. Dennoch finde ich es wichtig und es geht immerhin auch um ein Kleidungsstück.

Aus ökologischen und finanziellen Gründen, sowie dem persönlichen Wohlbefinden, habe ich mich mit den Alternativen zu Tampons und Binden auseinandergesetzt. Die bekannteste ist sicher die Menstruationstasse, dann gibt es noch (natürliche oder künstliche) Schwämmchen  und eben die Menstruationsslips. Letztere waren mir am sympathischsten und so entschloss ich mich, den Versuch zu wagen.

Intimate Portal

Als erstes habe ich über Amazon einige Slips von Intimate Portal bestellt. Diese sind sehr preisgünstig. Dabei habe ich mich für drei verschiedene Versionen entschieden.  Die Lieferung ging schnell, war aber nur nach Deutschland möglich. Die doppel- oder dreier Packungen sind in Plastik verpackt.

Die Slips haben grundsätzlich gehalten was sie versprachen und waren immer dicht. Wenn man sich bei der Bestellung an die Grössentabelle des Herstellers hält, ist die Passform ziemlich gut. Was mich etwas gestört hat, ist das leichte Rascheln, wenn man sich bewegt. Sicher, das hört man nur wenn es wirklich still ist, müsste aber trotzdem nicht sein.

Ein hingegen wirklich störender Punkt ist, dass die Slips an den wasserundurchlässigen Stellen leider auch luftundurchlässig sind. Dadurch schwitzt man relativ schnell darin und der Stoff wird dann feucht. Und wenn er mal feucht ist, trocknet er auch nicht mehr und klebt dadurch am Po. Dies ist nicht wirklich angenehm, vor allem im Sommer oder beim Sport macht. Ich habe die Slips auch vor Beginn der Mens angezogen, weil man ja nie so genau weiss, wann sie beginnt. Dabei hatte ich dann oft das Gefühl, dass es jetzt los geht, es war aber dann nur Schweiss. Die Haut findet es natürlich auch nicht so toll, wenn sie immer feucht ist. Ob das Klima bei empfindlichen Frauen Scheidenpilze fördern könnte, wage ich nicht zu beurteilen, könnte es mir aber schon vorstellen.

Ich hatte beim Tragen der Slips nie Angst, dass sie etwas durchlassen. Jedoch war ich mir immer bewusst, dass ich sie trage, einfach weil ich es durch die Feuchtigkeit immer spürte.

Konkret habe ich diese drei Varianten getestet:
Variante 1: Nur zur Vorbeugung geeignet, auslaufsicher aber nicht Saugfähig. Ganz toll finde ich den kleinen Beutel vorne, in den man ein Wärmepad oder Ähnliches tun kann.
Variante 2: Auslaufsicher und Saugfähig (bis zu 2 Tampons/ 15ml), der Gummi im Bund ist meinem Empfinden nach etwas eng geraten.
Variante 3: Auslaufsicher und Saugfähig(bis zu 2 Tampons/ 15ml), gute Passform.

Thinx

So entschied ich mich dann, etwas mehr Geld in die Hände zu nehmen und bei Thinx einige Slips zu kaufen. Da ich gerade noch in die Grössentabelle des Tochterlabels BTWN (speziell für Jugendliche) passe, habe ich auch davon zwei bestellt. Trotz des weiten Weges sind sie innert kürzester Zeit bei mir angekommen. Die Slips waren sehr liebevoll, einzeln in hübsche Kartonschächtelchen verpackt. Zwischen Thinx und BTWN gibt es (abgesehen von den unterschiedlichen Grössen) meines Erachtens zwei Unterschiede. Thinx erhält man in schwarz, grau und hautfarben, nur ein Modell gibt es noch in dunkelgrün. BTWN bekommt man in rot, blau und rosa mit roten Punkten. Zudem sind BTWN gefühlt dicker gepolstert. Laut Hersteller halten BTWN 3 Esslöffel Flüssigkeit, Thinx je nach Modell bis zu 2 Tampons.Zu der Firma muss man noch sagen, dass sie von jedem gekauften Slip einen Teil des Erlöses in gemeinnützige und nachhaltige Projekte für Frauen investiert, insbesondere in Hygieneprodukte (Stoffbinden) und Aufklärungsarbeit.

Auch hier stimmt die Grössentabelle auf der Internetseite, sowohl bei Thinx wie auch bei BTWN. Ich finde einige Modelle am Gesäss etwas tief geschnitten, dies ist aber persönliches Empfinden und es gibt auch Modelle, die höher geschnitten sind. Als einziges Modell finde ich die Boyshort ziemlich unbequem, weil sie einfach an den Beinen zu eng sind.
Sonst bin ich wirklich begeistert davon, sie rascheln nicht und sind atmungsaktiv, sprich man schwitzt nicht darin und hat darum auch kein feuchtes Gefühl. Auch Sport ist problemlos möglich, ohne am Po zu schwitzen. Ich habe oft vergessen, dass ich sie trage, sogar während der Mens. Auf die einzelnen Modelle werde ich hier nicht eingehen, weil es zu viele sind und ich abgesehen vom Schnitt keine Unterschiede feststellen konnte.

Pflegehinweise

Ihr mögt euch jetzt noch fragen, ob das Waschen nicht sehr aufwändig ist. Da kann ich euch beruhigen, einfach nach dem tragen kurz kalt ausspülen und nach der Mens alle zusammen bei 30 Grad waschen.
Die schwarze, innerste Stofflage kann sich mit der Zeit etwas ausbleichen, dies hat aber keinen Einfluss auf die Funktion der Slips.

Fazit

Ich bin wirklich begeistert von den Slips, insbesondere von den Thinx. Wiedermal zeigt sich, dass der Preisunterschied auch die Qualität wiederspiegelt. Diejenigen von Intimate Portal sind ganz OK, wenn man einfach mal testen will ob die Variante etwas für einen ist. Für eine längerfristige Verwendung, empfehle ich aber unbedingt sich die Mehrausgabe für die Thinx zu leisten, es lohnt sich wirklich. Zudem wird sich die Ausgabe bezahlt machen, man spart ja ziemlich viel an Hygieneartikeln. Auch finde ich es toll, dass ich so einiges an Abfall vermeiden kann.

Ich finde es extrem erleichternd, dass ich in den Tagen vor der Mens einfach so einen Slip anziehen kann und dann nicht mehr daran denken muss. Auch während der Mens ist es sehr befreiend, nie Angst zu haben, dass etwas ausläuft.
Für mich reichen die Slips ohne weitere Massnahmen, Frauen mit sehr starken Blutungen müssen eventuell erst mal zu Hause austesten, ob sie Thinx allein benützen können, oder sie doch lieber mit einer anderen Methode kombinieren wollen.

STRASS

Wenn ihr die Bilder gern in Gross anschauen wollt einfach drauf klicken…

Während der Arbeit am Kleid für den Maskenball bin ich auf den Geschmack von Strasssteinen gekommen. Nun wollte ich etwas machen, das fast nur aus Strass besteht.

Nach einer nicht allzu langen Suche im Internet habe ich mich für eine Händlerin in Deutschland entschieden um die Steine in verschiedenen Farben und Grössen zu bestellen. Obwohl auf ihrer Webseite die Schweiz nicht als offizielles Verkaufsland eingetragen ist war sie sehr zuvorkommend und hat mich super beraten.

Der Kragen

Ich habe mich dazu entschieden, einen grossen Kragen aus Leder zu nähen, welchen ich dann mit Strass beklebte. Weil Leder nicht so gut zu ändern ist habe ich erst zwei Versuche mit Kunstleder gemacht bis ich mit dem Schnittmuster zufrieden war. Danach schnitt ich das Leder zu und klebte die Teile mit einer Einlage. Damit es optisch nicht zu streng wird habe ich die Originalkanten des Leders für den Rand genommen.
Beim Absteppen der Nähte fasste ich hinten ein doppeltes Schrägband mit um dünne Stäbe einschieben zu können und dem ganzen so etwas Stabilität zu geben. Der Kragen ist noch mit Satinfutter abgefüttert. An der äusseren Kante habe ich das Futter etwas nach innen versetzt um gefaltet und festgesteppt, beim Hals ist die Kante mit einem Lederstreifen eingefasst. Als Verschluss hat es hinten eine Schnürung.
Inklusive der Musterstücke habe ich dafür etwa 4 Stunden gebraucht.

Das Kleben des Strass

Dann kam ein ziemlich nebliger Herbsttag, an welchem ich genug Zeit hatte um mich bequem hinzusetzen und stundenlange Strasssteine mit der Pinzette auf dem Kragen zu verteilen und mit dem Bügeleisen zu fixieren.
Dazu muss man wissen, dass die Strasssteine an der Unterseite eine Schicht Kleber haben, welcher sich mit Hitze fixieren lässt. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten, punktgenaues Arbeiten geht mit einem speziellen Applikator am besten. Dieser ist an den Strom angeschlossen und besitzt mehrere Aufsätze für die verschiedenen Grössen. Oder man kann die Steine mit dem Bügeleisen fixieren. Da es mir nicht auf eine punktgenaue Fixierung ankam habe ich mich für die zweite Variante entschieden.

So begann ich mit den grössten Steinen und arbeitete mich langsam voran, wobei ich jeweils am oberen Rand viele Steine hin klebte und gegen unten immer weniger. So habe ich also Stunden über Stunden verbracht und dabei ein gutes Hörbuch angehört. Ich muss sagen, es war eine sehr meditative Arbeit, aber wohl unbezahlbar, bis der Kragen fertig war ist wirklich ein ganzer Tag vergangen. In den Bildern unten könnt ihr sehen, wie sich der Strass immer verdichtete.

Ich finde das Ergebnis ziemlich geil, es ist bunt und glitzert und macht einfach Freude. Der Kragen kann natürlich zu verschiedenen Kleidungsstücken angezogen werden und ist auf jeden Fall ein ziemlicher Hingucker.