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Von Kapitänen und Schiffen

Die Grundlagen

Jeder Mensch ist Kapitän und besitzt ein Schiff mit Material und Mannschaft.
Das Schiff repräsentiert das Leben des Kapitäns. Material und Mannschaft die Ressourcen des Kapitäns. Das Material sind die unbegrenzten Ressourcen (wie z.B. Liebe, Freundschaft, Verbundenheit) und die Mannschaft sind die begrenzten Ressourcen (wie z.B. Zeit, Energie, Finanzen). 
Das Meer und die Witterung sind die äusseren Umstände.

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Die Ausgangstäschchen

Wie vielleicht der eine oder andere Mensch schon gemerkt hat, habe ich jeweils gerne ein passendes Täschchen zu meinen Ausgangskleidern. Inzwischen gibt es schon genug davon, dass sie einen eigenen Blogeintrag verdient haben.

Das Prinzip ist immer dasselbe, die Grösse variiert je nachdem wie viel Stoff ich noch habe etwas. Als Grundmuster schneide ich mir jeweils ein Rechteck zu. Dies berechne ich folgendermassen:
Breite: so wie das Täschchen werden soll plus ca. 2cm Tiefe
Höhe: 2 mal die Täschchenhöhe, ca. 2cm Boden plus die Klappe, bei der Klappe kann auch die Form variieren
Rundum kommt natürlich noch 1cm Nahtzugabe dazu.
Dies schneide ich dann einmal aus dem Obermaterial und einmal aus Futter zu. Das Obermaterial beklebe ich je nachdem noch etwas, um es stabiler zu machen.
Als Träger benutze ich entweder eine Kordel oder ich verstürze ein Band des Obermaterials.

Als erstes nähe ich nun die seitlichen Kanten des Obermaterials zusammen und bügle sie auseinander. Dann steppe ich beim Boden die Ecken queer ab, um ein bisschen Volumen zu bekommen. Damit der Boden stabil ist, fixiere ich zwischen den abgenähten Ecken ein Plastikstäbchen. Nun befestige ich den Träger.
Das Futter nähe ich genau gleich, nur lasse ich dabei auf einer Seite einen Schlitz offen. Jetzt kann ich das Täschchen verstürzen. Dafür lege ich Futter und Oberstoff zusammen, so dass die rechten Stoffseiten innen liegen. Jetzt kann ich den Kanten entlang nähen, um die Klappe und die Öffnung schön zu bekommen. Durch den Schlitz im Futter lässt sich das ganze jetzt drehen. Den Schlitz nähe ich nun zu. Meist steppe ich auch noch die Kanten ab damit sie schöner Liegen.

Nun muss ich nur noch einen Verschluss anbringen. Da ich meist mit Druckknöpfen arbeite geht dies sehr gut am Schluss. Wenn man lieber Magnetverschlüsse möchte, muss man diese schon vor dem Verstürzen anbringen.

Eigentlich ist das Täschchen nun fertig, je nach Stück, zu dem es gehört kann man natürlich noch Verzierungen anbringen.

Ein Korsett aus Futterstoff

Für ein anderes Korsett habe ich ein wunderschönes, rot-grün changierendes Futter mit einem Blättermuster gekauft. Als ich das Futter zusammengenäht und in das Korsett gearbeitet habe, war ich komplett verliebt in den Stoff. Also entschied ich mich, daraus ein eigenes Korsett zu herzustellen.

Nachdem ich den Schnitt mit Moulure getestet habe gings auf den Originalstoff. Zuerst musste ich mich nun entscheiden, ob das Rot oder das Grün überwiegen sollen. Ich habe mich für das Rot entschieden.
Futterstoffe sind ja erfahrungsgemäss eher dünn und sehr beweglich, ein Korsett sollte aber doch eine gewisse Stabilität besitzen. Deshalb musste ich es ziemlich fest kleben. Als erstes klebte ich den gesamten Stoff mit Batist, einem eher steifen Baumwollgewebe. Dann schnitt ich die Teile aus einem stabilen Flies und klebte diese auf den Stoff. Um das Flies zu fixieren klebte ich darüber noch eine andere Einlage.

Das Zusammennähen und Absteppen der Nähte war dann relativ schnell erledigt. Ich habe mich dazu entschieden, die Nahtzugaben auseinander zu Steppen und jeweils beidseitig der Nähte Stäbe einzuführen. Natürlich habe ich beim Absteppen der Nähte in der Taille ein schmales Repsband mitgefasst, um sie zu stabilisieren.

Das Futter habe ich aus demselben Stoff genäht wie das Korsett, nur habe ich bei diesem die andere Stoffseite oben genommen. Nachdem ich beide Teile in den Kanten zusammengenäht habe, stürzte ich an der unteren Kante ein Band ein und fasste die Kante damit ein. Danach führte ich die Stäbe ein und wiederholte das Einfassen an der oberen Kante.
Zuletzt musste ich nur noch die Ösen reinstanzen.

Um das Outfit zu vervollständigen habe ich mir noch ein einfaches Kleid aus elastischer Spitze mit Stehkragen und einer kleinen Schleppe genäht.

Nachdem ich in letzter Zeit vor allem mit Leder gearbeitet habe, war es ganz schön wiedermal etwas aus Stoff zu machen und ich habe grosse Freude am Ergebnis, es ist bequem und sieht einfach wunderbar aus.

WGT 2019

Dieses Jahr habe ich für das WGT 2019 nicht sehr viel genäht, genau genommen nur zwei Kleider und eine Handtasche. Ein sehr simples Kleid aus Jersey und ein etwas aufwändigeres aus einem elastischen und bedruckten Jeans. Dafür habe ich ein grösseres Augenmerk auf mein Make-up gelegt und dabei auch viel Strass verwendet.

Das Jerseykleid

Das Jerseykleid ist sehr simpel, es besteht aus einem Vorder- und einem Rückenteil sowie einem grossen Kragen, welcher auch als Kapuze benutzt werden kann. Beim Stoff habe ich mich für einen fast schwarzen, schlammfarbenen Jersey entschieden. Am Oberkörper ist es eng, ab der Taille seitlich stark ausgestellt, so dass sich zwei Spitzen bilden. Der Kragen ist oben im Bruch geschnitten, um ihm mehr Stabilität zu geben. Er ist sehr weit und fällt, wenn er nicht als Kapuze gebrauch wird, ähnlich wie ein Wasserfallkragen. Ich mag das Kleid sehr und habe es auch oft im Alltag an. Am WGT hatte ich darüber auch teilweise das zum Kragen passende Strasskorsett an um es etwas spezieller zu machen.

Das Jeanskleid

Dieses war etwas aufwändiger. Ich wollte einen Stehkragen aber trotzdem einen Ausschnitt. Zudem sollte es etwas werden, das leichte Ähnlichkeiten mit einer Uniform hat.
Nachdem ich mit einer Freundin Ideen ausgetauscht habe machte ich beim Kochen eine kleine Skizze, oben war zu diesem Zeitpunkt klar wie es werden sollte, nur der Saum war noch unsicher. Wir haben dann noch ein bisschen darüber gesprochen und mir ist ein Bild in den Sinn gekommen, das mir ein Freund mal geschickt hat, an diesem habe ich mich dann Inspiriert.
Nachdem ich also das Schnittmuster gezeichnet und unsere Katze dazu bewegt habe mir den Stoff freizugeben, machte ich mich ans Zuschneiden. Wie immer hatte ich etwas knapp Stoff, vor allem auch weil ich das Muster vorne und hinten natürlich eingemittet haben wollte.

Schlussendlich hats aber gereicht und ich machte mich ans nähen. Die Nähte habe ich wie meistens gekappt und abgesteppt. Der Kragen und die Schulterteile sind mit einem schwarzen Baumwollstoff verstürzt.
Beim Verschluss musste ich mich noch zwischen den schwarzen und den altsilbernen Druckknöpfen entscheiden, und mir überlegen, wie ich sie anordne. Ich habe mich dann für altsilberne Zweierpaare entschieden.

Die Tasche

Weil mein geliebtes kleines Allzweck-Täschchen das Zeitliche gesegnet hat, musste ich mit für das WGT etwas Neues nähen. Hierfür wollte ich keines der üblichen Täschchen, die ich mir jeweils für die Ausgangsoutfits mache, sondern etwas mit verschiedenen Fächern das auch Tagestauglich ist, also etwas mehr aufnehmen kann als nur Handy und Portemonnaie.
Ich entschied mich für ein schwarzes Lammleder und ein Futter, dass ich schon öfters benutzt habe, weil ich es so schön finde. Das Täschchen hat eine Klappe mit Magnetverschlüssen. Ein flaches Fach vorne und ein grösseres Innenfach mit zwei kleinen Fächern. Vorne auf die Klappe habe ich noch eine Triskele mit einer 13 darin aus Strass angebracht. Diese hat sich aber während dem WGT abgelöst, zu viel Bewegung als dass der Strass auf dem Leder kleben geblieben wäre.

Was man mit Strass sonst noch so machen kann

Da ich nicht sehr aufwändige Kleider hatte, dachte ich mir, dass ich mir stattdessen ja einfach Strass ins Gesicht kleben könnte. Ich habe dann vor dem WGT ein bisschen experimentiert was für ein Kleber am besten hält und mich für Wimpernkleber entschieden, weil dieser noch eine gewisse Flexibilität behält.
Die Ergebnisse könnt ihr in den Bildern betrachten, ich hoffe sie gefallen euch!

Ein rotes Halsband

Nach einer Party, an welcher ich das Korsett und Halsband aus brüchigem Leder und Strass angezogen habe, hat mich eine Kundin kontaktiert, welcher das Halsband sehr gefallen hat. Sie wollte gern ein ähnliches Halsband in Rot. Es sollte farblich zu einem Korsett passen welches Sie schon hat. Natürlich habe ich ihr zugesagt und so haben wir uns getroffen, um die Form zu besprechen und das Material auszuwählen. Zu dem Termin hat Sie ihr Korsett mitgenommen und wir haben in meinem Vorrat schnell ein passendes Leder gefunden. Ich hatte vorgängig ein Halsband aus Moulure angefertigt, um die Weite gut messen zu können und die Form mit und an Ihr zu besprechen. Für den Verschluss haben wir uns auf eine Gurtschnalle geeinigt, damit das Halsband noch verstellbar bleibt.Das gewählte Rindsleder hat schon eine gewisse Stabilität, dennoch habe ich es mit einer Rosshaareinlage noch ein bisschen verstärkt. Als nächsten Schritt habe ich die Gurtschnalle angebracht und direkt dahinter eine Gurtschlaufe. Danach habe ich Vorne in der Mitte den O-Ring befestigt. Innwendig ist das Halsband mit einem schwarzen Satinfutter gefüttert. Dieses habe ich mit einem speziellen Klebeband an den Kanten auf das Leder geklebt. An den beiden Enden hat es innwendig jeweils einen Lederbesatz, welcher an das Futter angenäht ist. Die Kanten habe ich mit einem Lederstreifen eingefasst, den Einfass jedoch da auslaufen lassen, wo sich das Halsband zum Verschluss hin verengt. Nun musste ich nur noch 3 Löcher stanzen damit man es auch schliessen kann.Die Arbeit am Halsband hat mir grossen Spass gemacht. Geliefert habe ich der Kundin das rote Halsband per Post, so musste Sie nicht nochmals extra zu mir fahren. Sie war sehr glücklich darüber und hat mir rückgemeldet, dass es perfekt passt.

Die kleine Peitsche

Neben den Kleidern und Halsbändern fertige ich ja auch noch kleine Peitschen. In diesem Beitrag möchte ich darauf eingehen, wie ich die Peitschen herstelle. Aktuell nehme ich keine Aufträge für Peitschen an.

Das Innenleben

Als Basis benütze ich ein 7mm Drahtseil, bei welchem ich auf einer Seite die einzelnen Drähte gestuft zurückschneide.


Dies wird dann mit Velolenkerband umwickelt wobei ich am Ende noch einen Lederstreifen für den Aufhänger mitbefestige.
Am Anfang habe ich immer ein normales Sergeband benützt und dieses mit Doppelseitigem Klebeband präpariert damit ich es um das Drahtseil kleben konnte. Dies war jedoch sehr aufwändig. Das Lenkerband klebt schon und ist in schwarz und weiss erhältlich.

Die Vorbereitung des Leders

Meist benutze ich für die Peitschen Rindsleder. Das Leder wird von mir mit dem Rollmesser zu Streifen in der benötigten Länge und Breite zugeschnitten. Pro Peitsche schneide ich einen 4-er Keil (einen Keil, welcher vorne zusammen ist und sich dann in 4 Streifen trennt) für die erste Umflechtung sowie entweder zwei 2-er Keile oder einen Spiegelkeil plus eventuell zwei einzelner Streifen für die zweite Umflechtung und einen langen Streifen für den Knopf.
Diese Streifen und Keile werden nun gut eingefettet. Dazu benutze ich den B&E Bienenwachs-Lederbalsam. Die gefetteten Streifen knete ich in einem Beutel gut durch, um das Fett einzuarbeiten.

Das Flechten

Für die erste Umflechtung befestige ich die Spitze des 4-er Keils am Tisch und beginne zu flechten. Dabei lege ich von Anfang an das Drahtseil in die Flechtung. Beim Flechten ist es wichtig, dass immer gut angezogen wird, so bekommt die kleine Peitsche genügend Stabilität. Wenn ich am Ende angekommen bin umwickle ich die Flechtung mit einem Faden um sie zu Fixieren und flechte die Streifen ein bisschen retour, wobei ich sie unter die bestehende Flechtung ziehe. Jetzt rolle ich die Peitsche zwischen zwei Holzbrettern, um das Leder flach zu drücken.

Nachdem die erste Flechtung beendet ist beginne ich mit der Zweiten. Dabei nehme flechte ich auch ziemlich von Anfang an um die schon bestehende Peitsche. Je nach Flechtart muss ich nach einem gewissen Stück noch zwei weitere Streifen dazu nehmen, um eine regelmässige Deckung zu erreichen. Die zweite Flechtung beende ich wie die Erste und rolle sie wieder fest.
Nun kommt der Knopf, dafür befestige ich den letzten Lederstreifen an der Peitsche und flechte darum bis ein dichter und fester Knopf entstanden ist. Auch diesen rolle ich in Form.

Die Details

Die Peitschen sind jeweils zwischen 45cm und 55cm lang. Die Länge kann etwas variieren, je nachdem wie sich das Leder verhält.
Bei der Bestellung können die Farben frei gewählt werden, ebenfalls kann man sich zwischen zwei verschiedenen Flechtungen entscheiden. Für die Herstellung benötige ich etwa 2 Stunden.

Brüchiges Leder & Strass

Nähen als Beruf, nähen als Berufung. Aber auch nähen als Therapie oder nähen um etwas zu verarbeiten.
Dies habe ich erst vor kurzem gemacht, als meiner Nonna Krebs im Endstadium diagnostiziert wurde und sie kurz darauf starb. In dieser Zeit ist ein Stück entstanden, welches mir sehr gut gefällt und dass ich euch nicht vorenthalten will. Aber es fühlt sich falsch an, dieses wie üblich aus dem fachlichen Blickwinkel zu beschreiben. Also habe ich mich nach reiflichem Überlegen dafür entschieden, diesmal auf die emotionale Seite der Herstellung eines Stückes einzugehen.

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Ledergürtel

Für einen Kunden durfte ich Kleider für BDSM-Partys nähen. Das Stück, welches dabei am meisten ins Auge fällt, möchte ich euch gerne hier vorstellen.
Es handelt sich dabei um einen Ledergürtel, bei welchem vorne und hinten jeweils drei Stücke runterhängen um die Genitalien und den Poschlitz zu verdecken.

Der Kunde hat sich für ein sehr spezielles, rosegoldenes Lammnappa-Leder entschieden, welches auch Metallisch glänzt. Dieses kommt von Leder Höltschi, einer sehr guten Firma.
Um dem Ganzen noch etwas mehr Struktur und Festigkeit zu verleihen, habe ich mich dazu entschieden, alle Einzelteile mit schwarzen Rindsnappa zu unterlegen und dieses an den Kanten etwas Vorschauen zu lassen. Auch habe ich alle Teile mit dickem, schwarzem Faden abgesteppt.

Der Lederürtel besteht aus zwei Teilen, einem Vorder- und einem Hinterteil. Diese sind mit Gurtschnallen verbunden. So kann er symmetrisch etwas weiter oder enger gemacht werden.

Und noch für alle Neugierigen, für unter den Gürtel hat es einen kurzen Rock sowie eine kurze Hose aus einem feinen Baumwoll-Netzstoff gegeben. Das Oberteil besteht vorne aus einem dünnen, schwarzen Jeans-Stoff und hinten aus demselben Bauwollnetz.
Da der Kunde viele Tattoos hat war es ihm wichtig, dass man diese auch sehen kann. Aus diesem Grund haben wir uns für den Netzstoff entschieden.