Brüchiges Leder & Strass

Nähen als Beruf, nähen als Berufung. Aber auch nähen als Therapie oder nähen um etwas zu verarbeiten.
Dies habe ich erst vor kurzem gemacht, als meiner Nonna Krebs im Endstadium diagnostiziert wurde und sie kurz darauf starb. In dieser Zeit ist ein Stück entstanden, welches mir sehr gut gefällt und dass ich euch nicht vorenthalten will. Aber es fühlt sich falsch an, dieses wie üblich aus dem fachlichen Blickwinkel zu beschreiben. Also habe ich mich nach reiflichem Überlegen dafür entschieden, diesmal auf die emotionale Seite der Herstellung eines Stückes einzugehen.

Nachdem ich also die Nachricht über den Krebs und wohl baldigen Tod von Nonna bekam hatte ich das Bedürfnis, etwas zu nähen. Etwas stabiles und doch auch fragiles, zerbrechliches. Etwas bodenständiges das trotzdem irgendwie leicht ist und ein bisschen verzaubert…

Wenn ich solche Nähprojekte angehe gibt es immer zwei mögliche Ansätze, entweder ich beginne mit dem Schnitt oder mit dem Stoff. Diesmal war es klar, dass ich zuerst den Stoff brauche. In meinem Fundus bin ich auf ein Leder gestossen, dass meine Vorstellungen ziemlich gut erfüllt hat. Leder an sich ist etwas sehr stabiles, unkaputtbares. Dieses spezielle hat eine Schicht weissen Lack drauf, der brüchig ist. Durch die schwarze Farbe des Leders unter dem Lack entsteht ein sehr schönes und lebendiges Muster.

Nun musste ich nur noch das Verzauberte reinbringen. Dabei dachte ich sofort an das Glitzern von Strass welches irgendwie Ähnlichkeiten mit einem Sternenhimmel bei Nacht haben kann. Beim Durchschauen der Strasssteine war für mich sehr schnell klar, dass ich mich auf farblose Steine beschränke, schwarz, anthrazit und rauchig-transparent. Diese aber jeweils in verschiedenen Grössen

Mit Leder und Strass war dann auch klar, dass es ein Korsett geben wird. Da ich in letzter Zeit schon zwei für mich gemacht habe war nur eine Moulure nötig um den Schnitt zu Kontrollieren und schon konnte ich aufs Leder gehen. Wie ich dies genau verarbeitet habe könnt ihr hier nachlesen.

Ich finde es immer schön, zu sehen wie ein Stück entsteht. Zuerst nur die einzelnen Schnitteile welche erkennen lassen, was es werden könnte. Dann bekommt es immer mehr Form und Struktur, zuerst durch das Zusammennähen, danach durch Details wie Steppungen, Kantenverarbeitung und ähnlichem.

Während ich das Korsett genäht habe ist mir schon klar geworden, dass es damit nicht getan ist und ich entschied, dass noch ein Halsband dazu kommen sollte. Dieses sollte etwas breiter sein als sonst für mich üblich und in einem Spitz nach unten auslaufen.

Der Vollständigkeit halber habe ich dann auch noch eine kleine Tasche genäht.

Nachdem alles fertig genäht war musste ich mich entscheiden, wie ich den Strass darauf machen wollte. Dies war wirklich nicht einfach, ich habe verschiedenes probiert, den Strass drauf getan, schön platziert und die Idee wieder verworfen. Am Schluss entschied ich mich dazu, ihn nur Vorne aufzukleben, so dass er von unten nach oben etwas breiter wird und sich auf die Seite leicht streut. Diese sehr meditative und auch lange Arbeit hat mir sehr gutgetan und mir Zeit gelassen über viele schöne Erlebnisse mit Nonna nachzudenken.

Nun waren also diese Teile fertig und wiederspiegelten sehr gut was ich wollte. Die Festigkeit von Leder mit den Metallstäben im Korsett und die Leichtigkeit des Strass geben eine sehr schöne Mischung. Um es aber tragen zu können musste noch ein Kleid her. Am liebsten hätte ich etwas Anthrazitfarbenes gehabt, da fand ich aber leider keinen passenden Stoff. Also habe ich mich für einen schwarzen, leicht elastischen Seidensatin entschieden. Der Schnitt sollte ganz einfach sein, ich entschied mich für einen hohen V-Ausschnitt und Schlitze an beiden Seiten. Also von vorne sehr klassisch, von der Seite aber auch sexy.

Ich bin mit dem Ergebnis sehr glücklich. Während der Anfertigung hatte ich viel Zeit, um mich mit meinen Gedanken zu beschäftigen, es war der perfekte Mix zwischen Ablenkung und Fokussierung. Zu Beginn war ein Grossteil meiner Konzentration auf die Arbeit gerichtet und mit dem Fortschreiten derselben hat sich die Aufmerksamkeit langsam vom Stück zu meinen Gedanken und meiner Nonna verschoben. Für mich ist dies eine sehr gute Art, mich mit einem schwierigen Thema auseinander zu setzen. Und nun hoffe ich, euch gefällt sowohl mein schriftlicher als auch mein näherischer Erguss…

Menstruationsslip

Ja ich weiss, dieses Thema hat nicht viel mit meinen üblichen Blogeinträgen zu tun. Dennoch finde ich es wichtig und es geht immerhin auch um ein Kleidungsstück.

Aus ökologischen und finanziellen Gründen, sowie dem persönlichen Wohlbefinden, habe ich mich mit den Alternativen zu Tampons und Binden auseinandergesetzt. Die bekannteste ist sicher die Menstruationstasse, dann gibt es noch (natürliche oder künstliche) Schwämmchen  und eben die Menstruationsslips. Letztere waren mir am sympathischsten und so entschloss ich mich, den Versuch zu wagen.

Intimate Portal

Als erstes habe ich über Amazon einige Slips von Intimate Portal bestellt. Diese sind sehr preisgünstig. Dabei habe ich mich für drei verschiedene Versionen entschieden.  Die Lieferung ging schnell, war aber nur nach Deutschland möglich. Die doppel- oder dreier Packungen sind in Plastik verpackt.

Die Slips haben grundsätzlich gehalten was sie versprachen und waren immer dicht. Wenn man sich bei der Bestellung an die Grössentabelle des Herstellers hält, ist die Passform ziemlich gut. Was mich etwas gestört hat, ist das leichte Rascheln, wenn man sich bewegt. Sicher, das hört man nur wenn es wirklich still ist, müsste aber trotzdem nicht sein.

Ein hingegen wirklich störender Punkt ist, dass die Slips an den wasserundurchlässigen Stellen leider auch luftundurchlässig sind. Dadurch schwitzt man relativ schnell darin und der Stoff wird dann feucht. Und wenn er mal feucht ist, trocknet er auch nicht mehr und klebt dadurch am Po. Dies ist nicht wirklich angenehm, vor allem im Sommer oder beim Sport macht. Ich habe die Slips auch vor Beginn der Mens angezogen, weil man ja nie so genau weiss, wann sie beginnt. Dabei hatte ich dann oft das Gefühl, dass es jetzt los geht, es war aber dann nur Schweiss. Die Haut findet es natürlich auch nicht so toll, wenn sie immer feucht ist. Ob das Klima bei empfindlichen Frauen Scheidenpilze fördern könnte, wage ich nicht zu beurteilen, könnte es mir aber schon vorstellen.

Ich hatte beim Tragen der Slips nie Angst, dass sie etwas durchlassen. Jedoch war ich mir immer bewusst, dass ich sie trage, einfach weil ich es durch die Feuchtigkeit immer spürte.

Konkret habe ich diese drei Varianten getestet:
Variante 1: Nur zur Vorbeugung geeignet, auslaufsicher aber nicht Saugfähig. Ganz toll finde ich den kleinen Beutel vorne, in den man ein Wärmepad oder Ähnliches tun kann.
Variante 2: Auslaufsicher und Saugfähig (bis zu 2 Tampons/ 15ml), der Gummi im Bund ist meinem Empfinden nach etwas eng geraten.
Variante 3: Auslaufsicher und Saugfähig(bis zu 2 Tampons/ 15ml), gute Passform.

Thinx

So entschied ich mich dann, etwas mehr Geld in die Hände zu nehmen und bei Thinx einige Slips zu kaufen. Da ich gerade noch in die Grössentabelle des Tochterlabels BTWN (speziell für Jugendliche) passe, habe ich auch davon zwei bestellt. Trotz des weiten Weges sind sie innert kürzester Zeit bei mir angekommen. Die Slips waren sehr liebevoll, einzeln in hübsche Kartonschächtelchen verpackt. Zwischen Thinx und BTWN gibt es (abgesehen von den unterschiedlichen Grössen) meines Erachtens zwei Unterschiede. Thinx erhält man in schwarz, grau und hautfarben, nur ein Modell gibt es noch in dunkelgrün. BTWN bekommt man in rot, blau und rosa mit roten Punkten. Zudem sind BTWN gefühlt dicker gepolstert. Laut Hersteller halten BTWN 3 Esslöffel Flüssigkeit, Thinx je nach Modell bis zu 2 Tampons.Zu der Firma muss man noch sagen, dass sie von jedem gekauften Slip einen Teil des Erlöses in gemeinnützige und nachhaltige Projekte für Frauen investiert, insbesondere in Hygieneprodukte (Stoffbinden) und Aufklärungsarbeit.

Auch hier stimmt die Grössentabelle auf der Internetseite, sowohl bei Thinx wie auch bei BTWN. Ich finde einige Modelle am Gesäss etwas tief geschnitten, dies ist aber persönliches Empfinden und es gibt auch Modelle, die höher geschnitten sind. Als einziges Modell finde ich die Boyshort ziemlich unbequem, weil sie einfach an den Beinen zu eng sind.
Sonst bin ich wirklich begeistert davon, sie rascheln nicht und sind atmungsaktiv, sprich man schwitzt nicht darin und hat darum auch kein feuchtes Gefühl. Auch Sport ist problemlos möglich, ohne am Po zu schwitzen. Ich habe oft vergessen, dass ich sie trage, sogar während der Mens. Auf die einzelnen Modelle werde ich hier nicht eingehen, weil es zu viele sind und ich abgesehen vom Schnitt keine Unterschiede feststellen konnte.

Pflegehinweise

Ihr mögt euch jetzt noch fragen, ob das Waschen nicht sehr aufwändig ist. Da kann ich euch beruhigen, einfach nach dem tragen kurz kalt ausspülen und nach der Mens alle zusammen bei 30 Grad waschen.
Die schwarze, innerste Stofflage kann sich mit der Zeit etwas ausbleichen, dies hat aber keinen Einfluss auf die Funktion der Slips.

Fazit

Ich bin wirklich begeistert von den Slips, insbesondere von den Thinx. Wiedermal zeigt sich, dass der Preisunterschied auch die Qualität wiederspiegelt. Diejenigen von Intimate Portal sind ganz OK, wenn man einfach mal testen will ob die Variante etwas für einen ist. Für eine längerfristige Verwendung, empfehle ich aber unbedingt sich die Mehrausgabe für die Thinx zu leisten, es lohnt sich wirklich. Zudem wird sich die Ausgabe bezahlt machen, man spart ja ziemlich viel an Hygieneartikeln. Auch finde ich es toll, dass ich so einiges an Abfall vermeiden kann.

Ich finde es extrem erleichternd, dass ich in den Tagen vor der Mens einfach so einen Slip anziehen kann und dann nicht mehr daran denken muss. Auch während der Mens ist es sehr befreiend, nie Angst zu haben, dass etwas ausläuft.
Für mich reichen die Slips ohne weitere Massnahmen, Frauen mit sehr starken Blutungen müssen eventuell erst mal zu Hause austesten, ob sie Thinx allein benützen können, oder sie doch lieber mit einer anderen Methode kombinieren wollen.